12. Mai 2022

Pflanzenkohle – die coole Kohle

Kategorie: Nachhaltigkeit
Pflanzenkohle
Pflanzenkohle

Kohle hat generell einen ziemlich schlechten Ruf. Sie wird meistens als Klimakiller verschrien. Bei Pflanzenkohle jedoch ist das anders. Sie wird auch als „coole Kohle“ bezeichnet. Pflanzenkohle hat nämlich als Klimaretterin großes Potential. Denn biologische Reststoffe lassen sich für die Energiegewinnung nutzen. Im Gegensatz zu Braunkohle stößt sie beim Verbrennen sogar drei Mal weniger CO2 aus.
Bisher wurde Biomasse, Holz und Stroh zur „grünen“ Energiegewinnung einfach verbrannt. Dabei entstehen aber riesige Mengen Abfall. 14 Millionen Tonnen Biomasse bleiben jährlich in Deutschland ungenutzt. Stattdessen könnte daraus Pflanzenkohle erzeugt werden.

Pyrolyse als Schlüssel zur coolen Kohle

Durch Pyrolyseanlagen wird Biomasse verkohlt. Das heißt, dass Holz, Zweige, Erntereste usw. bei hohen Temperaturen verkohlt werden. Dieser Prozess wird Pyrolyse (PyCCS=Pyrogenic carbon capture and storage) genannt. Moderne Pyrolyseanlagen arbeiten sicher, sauber und klimaneutral. Die benötigte Energie entsteht aus dem Prozess selbst: Aus den freiwerdenden Biogasen- und ölen.

Neben Wärme und Strom wird bei der Pyrolyse ein stabiler Kohlenstoff, die Pflanzenkohle, gewonnen. Pflanzenkohle kann wiederum auf den Feldern als Dünger eingesetzt werden. Wenn man sie im Boden verbuddelt, landet der Kohlenstoff praktisch wieder dort, wo er einst hergekommen ist. Sie verbessert die Bodenqualität und bindet Kohlenstoff für Jahrtausende im Boden. Außerdem kann sie auch Lachgas und Methan reduzieren, die bis zu 300-mal so klimaschädlich sind wie CO2. Diese sogenannten „negativen Emissionen“ werden für die Pariser Klimaziele unbedingt gebraucht.

Biomasse ist eine begrenzte Ressource

Hört sich nach einer klasse Win-win-Lösung für Umwelt und Klima an. Heute weiß jedoch noch keiner, ob die Idee auch noch gut ist, wenn sie in großem Stil eingesetzt wird. Klimaforscher gehen nach einer Studie davon aus, dass bei einem flächendeckenden Einsatz von Pflanzenkohle die Biomasse irgendwann knapp werden wird. Das Potsdam-Institut für Klimaforschung hält PyCCS für eine vielversprechende Methode. Noch hat Pflanzenkohle in der Klimafolgenforschung nicht die Beachtung gefunden, die sie eigentlich verdient hätte. Aber das wird sich sicher bald ändern, wenn die dafür benötigte Biomasse nachhaltig angebaut wird. Pflanzenkohle ist neben Wiederaufforstung und Humusaufbau sofort einsetzbar und ökologisch unschädlich. Außerdem ist Pflanzenkohle kein schädlicher Reststoff, der teuer entsorgt werden muss. Das Gegenteil ist eher der Fall, denn das Material ist vielseitig verwendbar.

Je nach Veredlungsstufe kann Pflanzenkohle in folgenden Bereichen eingesetzt werden:

  • als Bodenverbesserer
  • in Form von Futterkohle als Futtermittelzugabe
  • als Additiv im Biogasprozess
  • als Stalleinstreu
  • als Hilfsstoff für die Kompostierung
  • in Form von Aktivkohle als Filtermittel sowie als Kosmetik- und Arzneimittelzusatz.

Erste Projekte mit Pflanzenkohle sind gestartet

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung empfiehlt bereits die coole Klimakohle für Klima und Boden. Und tatsächlich entstehen national als auch international gerade sehr viele interessante Projekte, die sich mit dem Einsatz von Pflanzenkohle beschäftigen. So wird in der Stadt Langenbruck in der Schweiz Kaffeeabfall verkohlt. Diese Anlage soll schon bald in Serie produziert werden und an Kaffeebauern in Brasilien und Vietnam verkauft werden. In Schwedens Hauptstadt Stockholm werden Straßenbäume jetzt in belüftete Gruben mit Pflanzenkohle und Schotterbruch gepflanzt. Damit werden sie widerstandsfähiger gegen Dürre und Schadstoffe. Und in Darmstadt ist geplant jährlich 16.000 Tonnen Grünschnitt zu Bioabfall zu verkohlen. Gas und Wärme soll anschließend an Haushalte gehen und die Pflanzenkohle soll, wie in Stockholm, den Bäumen und Gärtnereien zugutekommen.

Die „coole Kohle“ hat also jede Menge Potential, das jetzt nur noch klimarettend genutzt werden muss.

 

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