Drohnen: Die Zukunft des Warentransports?

Industrie 4.0, Web 3.0 und Logistik 4.0, modern ist, was eine zusätzliche Kennziffer als Suffix bekommt und was könnte im Falle des Warentransportes bzw. der Logistik 4.0 moderner sein als Drohnen für Paketlieferungen einzusetzen.

 

Drohnen als fliegende und automatisierte Paketzulieferer

Die Idee von Drohnen als Transportmittel für den Versand geistert schon seit geraumer Zeit durch die Medien und es scheint so also würden viele Unternehmen in dieser Form der Warenauslieferung ein großes Potential sehen – das dabei ein Shoppingportal wie Amazon oder ein Versandunternehmen wie die Post mit im Spiel sind, dürfte dabei nicht verwundern, verspricht ein optimales Zusammenspiel aus Online-Plattform, Warenlager und Lieferdrohne einen kompletten Transaktionsprozess innerhalb kürzester Zeiträume abhandeln zu können. Da eine Lieferung per Drohne deutlich kostspieliger als ein Standardversand ist, wäre ein Einsatz vor allem dort in Betracht zu ziehen, wo eine schnelle Lieferung im Vordergrund steht und die Kosten eine eher untergeordnete Rolle spielen, bspw. wären Medikamente oder wichtige Ersatzteile denkbar.

Im Zusammenhang mit dem Kostenfaktor spielt aber ein weiteres Stichwort eine gewichtige Rolle: Automatisierung. Die kleinen (oder auch größeren) Fluggeräte sollen über kurz oder lang ihre Ziele nämlich automatisiert anfliegen und Waren abliefern können, so dass auf Personal verzichtet und somit Kosten eingespart werden. Diesbezüglich testete bereits die Post in Österreich, wie gut das Zusammenspiel aus Drohne und Objekterkennung funktioniert. Hierfür flogen Drohnen in einem Versuchsaufbau automatisiert eine zuvor codierte Matte an, auf welcher Pakete absetzt wurden und die Drohnen anschließend wieder zum Lager flogen, um die nächste Lieferung zu tätigen.

 

Großes Potential trifft auf viele Hürden

Ein Faktor für die Optimierung stellt das Warengewicht dar, welches Drohnen derzeit zu transportieren vermögen. Bis dato kommen nur Pakete in Frage, die ein Warengewicht von 2 Kg nicht überschreiten. Aber auch am Transport schwerer Lasten wird bereits eifrig gefeilt. So hat Boeing vor kurzem verlauten lassen, dass sie eine Transportdrohne für Schwerlasten von über 200 Kg entwickelt hätten, die für die Logistikkette von Paketdiensten eingesetzt werden könnte. Da allerdings keine Angaben gemacht wurden, bezüglich der Geschwindigkeit der Drohne und was die Reichweite bei einer Akkuladung betrifft, kann davon ausgegangen werden, dass mit einem Einsatz der Cargo Air Vehicle genannten Drohne in naher Zukunft nicht zu rechnen sein wird.

 

Und noch mehr Hürden

Für einen Drohneneinsatz gibt es allerdings neben der Gewichtsproblematik auch weitere wichtige Faktoren. So spielen Faktoren wie Reichweite und Wetterlage ebenfalls eine Rolle, denn als groben Richtwert kann man sagen, dass derzeitige Drohnen unter optimalen Wetterbedingungen etwa 20 Kilometer schaffen, bevor eine erneute Akkuladung nötig wird, sobald es aber regnen oder sogar stürmen sollte, ist an einen Einsatz gar nicht mehr zu denken. Sowohl für eine Reichweitenoptimierung als auch für einen wetterunabhängigen Einsatz müssen die Unternehmen noch Lösungen finden. Neben technischen Aspekten spielt zudem die Gesetzgebung eine nicht minder wichtige Rolle, denn je nach Land, Bundesland, Kanton, etc. sind die mal mehr, mal weniger strengen Bestimmung in Sachen Luftverkehrssicherheit eine zusätzliche Hürde, die es zu nehmen gilt: Im Falle einer gewerblichen Nutzung noch weiter erschwert durch zusätzliche erforderliche Lizenzen.

 

Die sich selbstzerstörende Drohne

Eine weitere Hürde, die es in puncto Sicherheit zu nehmen gibt, scheint Amazon nun mit einem neuen Patent lösen zu wollen. Im Zuge des in 2013 ins Leben gerufenen Amazon Prime Air Programms wurde vor Kurzem ein Patent angemeldet, in dessen Antragstext Amazon von einer „Directed fragmentation for unmanned airborne vehicles“ geschrieben wird. Dabei handelt es sich um einen Controller, der die Zerstörung einer Drohne in die Wege leitet, wenn die Drohne im Zuge eines Akkuausfalles oder eines anderen technischen Defektes abzustürzen droht. Was im ersten Moment profan klingen mag, ist bei genaueren Hinsehen deutlich komplizierter als man es vermuten würde, denn von den im Zuge einer Selbstzerstörung entstehenden Wrackteilen ginge eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus. Der patentierte Controller soll nun die Selbstzerstörung der Drohnen kontrolliert in mehreren Schritten durchführen, so dass nur Wrackteile in harmloser Größe entstehen. Zudem prüft der Controller vor der Einleitung der Sequenz Faktoren wie Flugbahn, Wetter und Umgebung und entscheidet dann, in welcher Reihenfolge, die Zerstörung der einzelnen Drohnenteile erfolgen soll.

Der Drohneneinsatz verspricht die Lieferlogistik zu revolutionieren, aber bis es soweit ist, dürfte es noch dauern, denn die Drohnentechnologie ist noch nicht so ausgereift, wie es für einen täglichen massenhaften Einsatz erforderlich wäre.


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