27. Juni 2017

Zahlen per Gesichtserkennung: Fluch und Segen?

Kategorie: Innovation

In China Gang und Gebe, bei uns noch Zukunftsmusik: Zahlen per Gesichtserkennung. Nicht länger heißt es, Zahlen Sie mit Ihrem guten Namen, sondern zukünftig wird mit dem eigenen Gesicht gezahlt.

Face++ schaut dir nicht nur in die Augen

Die Software von Face++ ermöglicht es den Chinesen, mit dem eigenen Konterfeit zu bezahlen. Dabei werden im menschlichen Gesicht 83 charakteristische Punkte und ihr Abstand zueinander gemessen, was eine sehr genaue individuelle Zuordnung ermöglicht. Dies soll in erster Linie eine komfortable Variante der Bezahlung ermöglichen. Ein Vorteil besteht darin, dass man im Gegensatz zum Portemonnaie seine eigene Visage immer dabei hat und diese nur schwer zuhause auf dem Nachttisch liegen lassen kann. Da bei dem Programm der Nutzer aufgefordert wird, sich während des Scans zu bewegen und zu reden, lässt sich das Programm nicht durch statische Bilder bzw. Fotos täuschen. Von Face++ zeigte sich der chinesische Onlinehändler Alibaba Group (zur Einordnung: Vergleichbare Größe mit Amazon) so überzeugt, dass er bereits Face++ für sein Mobile Payment Service Alipay einsetzt.

Der unschöne Nebeneffekt

Fraglos beeindruckend ist diese Technologie der digitalen Gesichtserkennung und die Einsatzmöglichkeiten erscheinen vielfältig, sie birgt aber auch einen unschönen Nebeneffekt, sie stellt nämlich ein zusätzliches Mittel der Überwachung dar. Das engmaschige Netz der Videoüberwachung, welches in China bereits den Alltag der Bürger begleitet, wird über die Gesichtserkennung nochmal ein gutes Stück effektiver. In China ist dies zwar Alltag, aber auch bei uns hat dieses Thema eine eindeutige Relevanz, denn auch in Europa ist Videoüberwachung (im öffentlichen Raum) Gang und Gebe und von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert. Erweitert man dieses nun mit den Mitteln der bereits jetzt möglichen Gesichtserkennung, mag man sich kaum vorstellen, was passieren würde, wenn im Zuge der brandaktuellen Debatte zum Thema Innere Sicherheit, der Einsatz von Gesichtserkennung in mehr und mehr Bereichen erlaubt werden würde. Es mag wie eine Zukunftsvision aus einem dystopischen Entwurf wirken, aber die Bereitschaft Datenschutzbestimmungen zugunsten populistischer Rhetorik zu lockern, ist leider durchaus gegeben.

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