Das E-Books: Ein Format mit Zukunft?

E-Books, die elektronischen Bücher, wurden lange als Format der Zukunft behandelt. Dennoch haben sie einen schweren Stand in Deutschland. Viele Leseratten hängen am analogen Buch mit Papier und Umschlag und sind nur schwer vom neuen Format zu überzeugen. Der Einstand von E-Books im Massenmarkt, begründet vor über zehn Jahren durch Amazons Kindle, konnte bisher nicht gerade den Markt im Sturm erobern. Obwohl Musik und Film den digitalen Vertrieb schon erfolgreich vorgemacht haben, haben digitale Bücher nach wie vor Probleme mit dem Massenmarkt. Aber warum ist das so?

E-Books heute

Vielleicht liegt es daran, dass beim Thema E-Book immer noch viele Menschen – teilweise zurecht– an langsame Geräte mit dunklen Bildern denken, geschuldet der plattformeigenen E-Ink bzw. E-Paper-Technik. Bei dieser Technologie werden durch Spannungsänderung unterschiedlich geladene weiße und schwarze Mikrokapseln zu Buchstaben und „Papier“ geordnet und bilden eine „Seite Papier“. Stromsparend, in der Sonne perfekt lesbar, aber langsamer als z.B. LCD-Technik. Oder sie erinnern sich an verschiedene Apps auf Handy oder Tablet, deren Akkus (und meist auch Displays) alles andere als bücherkompatibel sind. Und wirklich neue oder gute Bücher sind entweder überteuert oder gar nicht erst digital erhältlich.

Doch ist das noch der aktuelle Stand?

Die Verlage erkennen (oder erhoffen) scheinbar das Potential der digitalen Distribution – immer mehr Herausgeber drucken nicht nur auf Papier, sondern bringen große und kleine Titel ebenfalls parallel als Download auf den Markt. In den USA sind  20% des gesamten Bücherumsatzes den E-Books geschuldet, doch der Markt ist an einem Plateau angelangt. Auch in Deutschland sieht es – wenn auch mit weit kleineren Zahlen – ähnlich aus.

Ein weiterer Punkt, der bei Händlern und Herstellern Skepsis auslösen könnte, sind ähnliche, aber doch unterschiedliche Plattformen. Sowohl Hörbücher, Hörspiele als auch die aktuell im Trend stehenden Podcasts können sowohl Buch als auch E-Books gefährlich werden. Sie sind zwar keine direkte Konkurrenz, bedienen aber einen sehr ähnlichen Kundenstamm. Und gerade in der heutigen, schnellen und verbundenen Welt steigen insbesondere viele junge oder berufstätige Leser dankbar auf das Hören um. Besonders unterwegs in Bus, Bahn oder Auto, nebenbei zum Haushalt oder abends im Bett ist es oftmals einfach praktischer und handlicher, Inhalte vorgetragen zu bekommen.

Insbesondere kleine Verleger oder unabhängige Autoren nutzen die Technologie jedoch erfolgreich. Wer früher bei den Herausgebern auf Absagen stieß, kann nun auf eigene Faust E-Books schreiben und für einen Online-Marktplatz freigeben. Für eine qualitative Bewertung und Filterung sorgen die Leser. Diese Indie-Leseware nimmt einen immer größeren Platz in den entsprechenden Stores ein und erfreut auch die Käufer durch günstigere Preise und große Auswahl.
Ebenfalls ein großer Faktor sind Abo-Services. Ähnlich aktueller Musik- und Video/Filmplattformen weg vom Händlerregal und hin zum Download-Store entstehen Anbieter, die ihre eigene, digitale Leihbücherei stellen. Für einen monatlichen Preis kann man so viele Bücher lesen, wie es beliebt. Zumindest in der Theorie. Vereinzelt muss bei großen Bestsellern noch zum Einzelkauf ausgewichen werden, und eine echte Komplettauswahl wird durch das vergleichsweise geringe Angebot noch beschränkt.

Was die Technik angeht: Auch E-Book-Reader, die dezidierten Lesegeräte für Bücher, Magazine oder Comics, befinden sich nach wie vor in ständigem Wandel. Schon heute bieten viele traditionelle e-Ink-Reader helleres „Papier“, hohen Kontrast, Beleuchtung und schnelleres Blättern, teilweise auch hilfreiche Features neben dem eigentlichen Buch. Hörbuchunterstützung, Lexika, Navigation, Anekdoten und Anhänge können teilweise schon während des Lesens aufgerufen werden. Auch die Benutzung von Tablets erlaubt in der Theorie Neuerungen für E-Books wie vergrößerbare oder animierte Bilder, Video- und Audiointegration, oder sogar interaktive Features, die auf dem Papier schlicht nicht möglich wären. Möglich werden so etwa interaktive Krimi- oder Horrorromane, die ihre eigene Soundkulisse mitbringen, oder Kinderbücher mit interaktiven Puzzles oder Lernspielen.

Durch Restriktionen in Dateigröße und Inhalt, Sicherheitsfragen bezüglich in E-Books eingebauter Programmskripte und auch einer Portion Tradition innerhalb der Verlage ist aktuell die große Mehrheit der elektronischen Bücher jedoch nur eben das – ein elektronisches Buch. Und selbst innerhalb dieses Marktes ist die Fächerung durch verschiedenste Formatstandards, die nicht von jedem Reader abgespielt werden, groß.

Die Zukunft der Bücher?

Aus technischer Sicht bewegt sich E-Ink hin zur Farbe. Es gab und gibt zwar schon wenige Schritte hin zu vollfarbigen Displays bei E-Books, aber der wirkliche Sprint soll erst demnächst starten. Mit Advanced Color ePaper (ACeP) und ClearInk sind mindestens zwei farbige E-Ink-Konkurrenten in Arbeit, die aber beide noch vom Massenmarkt entfernt sind.
Auch die bereits oben angesprochene Interaktivität könnte bald schon Standard in vereinzelten Büchergenres sein, wenn alle gängigen Abspielgeräte entsprechende Formate unterstützen.

Das Abo-Modell wird sehr wahrscheinlich ebenfalls ausgeweitet werden. Durch die digitale Natur der E-Books kann man starke Parallelen zu MP3 und Video-on-Demand vorhersagen: Mehr Aboservices werden eine stärkere Programmfülle bieten, der Preiskampf könnte dann weniger durch Abopreise und vielmehr durch den Wert ausgefochten werden, den ein etwa gleich teurer Monatsbeitrag bietet. Der Store mit der größten Auswahl an E-Books, den neuesten Exemplaren und den beliebtesten Kassenschlagern würde den Sieg davontragen.

Aber auch Einzelverkäufe oder gemischte Angebote sind, wenn die Auswahl und der Kunde mitspielt, durchaus vorstellbar. Ausgerechnet Comixology, ein Anbieter für digitale Umsetzungen allseits beliebter Comics von DC, Marvel oder anderen Verlagen, verkauft einzelne „Hefte“ für einen Preis, der nicht nennenswert günstiger als der der Papiervariante ist. Die Firma stützt sich ebenfalls auf Digital-typische Sales oder Sonderverkäufe, bei denen einzelne Serien oder Bände im Wechsel stark heruntergesetzt sind. So werden neue Kunden angelockt und Bestandskunden gute Angebote gemacht. Dieses Konzept, einem kleineren, aber sehr fokussiertem Teil einer großen Gruppe genau das Angebot zu geben, was er möchte, anstatt zu versuchen den größeren Markt mit Lücken zu bedienen, könnte auch im regulären, digitalen Buchhandel aufgehen.

Selbst ein größtenteils kostenfreier Markt für E-Books, unterstützt durch Werbung innerhalb der Bücher selbst, ist denkbar. Die größten Kandidaten für eine entsprechende Marktdominanz sind großteils auch als Advertising-Anbieter bekannt und werden diesen Faktor sicher mit großem Interesse beobachten.

 

Insgesamt ist das Thema E-Books nach wie vor spannend. E-Reader und E-Books sind bei weitem keine tote Technik und werden ständig verbessert, aber der absolute Durchbruch mag dem mobilen Bücherregal auch nicht so recht gelingen. Im Endeffekt wird – wie auch zuvor bei einst skeptisch betrachteten Plattformen wie iTunes, Netflix oder Audible – der Konsument entscheiden, ob ihm ein Angebot gut genug ist um dafür zu zahlen.


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