Das neue Normal: Wie die Pandemie unser Leben verändert hat

Schon seit vielen Jahren bereichert mein Social Design Seminar an der Hochschule Düsseldorf das Sonepar InnovationLab mit kreativen Impulsen. Im Gegenzug profitieren die Studierenden von der praxisnahen Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner.

Nachdem wir bereits im vergangenen Jahr unversehens in die Ära Corona geraten waren, machten wir die besonderen Bedingungen in diesem Semester zum Thema. Und das kam so …

Lars Maschmeyer, stellvertretender Leiter Zentrales Marketing, begann den diesmal digitalen Call zur Vorbesprechung ganz forsch mit seiner typischen Standardfrage: „Zeigt Ihr uns wieder was Neues?“ Darauf ich: „Normal! 

Fragestellung: Wie wollen wir leben?

Aber was ist heutzutage noch normal? Und was wird morgen sein? Werden wir die guten alten Zeiten schmerzlich vermissen? Oder werden uns die smarten neuen Dienste, die uns das tägliche Leben meistern helfen, weiter begleiten? 

Nachdem die Pandemie uns plötzlich einen Schub in Richtung Zukunft verpasst hat, den sich so rasch niemand hätte träumen lassen! Aus der Gemengelage der gemischten Gefühle heraus entwickelte sich unsere Fragestellung. Wie sieht es aus:

DAS NEUE NORMAL

Die methodische Herangehensweise wurde aus gegebenem Anlass in keiner Weise eingeschränkt. Freigeist war die Teilnahmebedingung für diese experimentelle Lehrveranstaltung. Wunschdenken und Tagträumen waren ausdrücklich gestattet. 

Ohne physische Präsenz durften die Studierenden in Phantasiewelten schwelgen. Zum Abgleich trafen wir uns zwar distant, kamen im interaktiven Cyberspace aber mental mitunter sehr munter zum Brainstorm zusammen.

Case Studies: Musik als Medium

Aus zahlreichen spannenden Projekten stellen wir hier zwei Konzepte vor, die zeigen, dass kreative Kommunikation nicht vordergründig visuell sein muss. Beide Case Studies bauen auf die Musik als Medium der Kommunikation. Tatsächlich sind ja die größten Rockstars oft genug als bildende Künstler gestartet. Das hat auch in Düsseldorf Tradition. Stichwort: Kraftwerk. 

PANDEMIC POPSONGS

Leah Fosbenner hatte sich noch vor dem ersten Lockdown für ihren Bachelor of Arts angemeldet. Aber auch als dann Corona kam, konnte sie kein Zweifel bremsen. Im Gegenteil: Sie nahm die Herausforderung an, und sie ging viral! Ganz groß herausgekommen ist sie dann in ihrem Examen mit einem multimedialen Monster. Ihr kunterbuntes Bilderbuch hat über 500 Seiten. Sein Name: „Pandemocrazy“. 

Ohrwurm: Vertrackte Playlist

An diese Studie knüpft sie jetzt in ihrem Mastersemester an. Mit plakativen Motiven zelebriert sie weltberühmte Evergreens. So erwecken ihre typophilen Pop-Art-Poster viele Ohrwürmer wieder zum Leben: vom Summer of Sixtynine bis hin zu Hits der jüngeren Vergangenheit. Aber Achtung! Bei aller positiven Gestimmtheit, die sofort einsetzt, wenn man unwillkürlich mit summt, sieht man: Da stimmt doch was nicht!

Genau! Auch im Auge ist ein Wurm drin! Und schleicht sich rein in unseren Kopf. Klammheimlich hat Leah nämlich jeden Refrain mit einem fremden Zusatz versehen. Und der spielt an auf Corona und Covid. Aber warum nur? Was soll das? Will sie uns damit das Spiel verderben? 

Impfstoff: Soziale Kampagne

Iwo! Indem sie die positiven Erinnerungen in unserem Langzeitgedächtnis evoziert, schließt sie unsere Good Vibes kurz mit einem knappen Kommentar zum Ernst der Lage. Und das hat einen guten Grund! Alle fragen sich, wie wir die Impfquote steigern sollen. Na, wie wohl? Sicher nicht mit frommen Sprüchen und belanglosen Bildern, die uns die handelsübliche weichgespülte Werbung in den sozialen Medien präsentiert! 

Gesinnungsänderung erreicht man am ehesten mit Sinnesänderung. Denn nur mit Sinnlichkeit rüttelt man wahre Gefühle wach. Und nur echte Emotionen führen zu persönlicher Begeisterung. Mit den guten, alten Melodien geht Leah an gegen die Wellen der Melancholie. So erscheinen ihre Motive in Leuchtschrift als Highlights im Lockdown. Und motivieren vielleicht auch müde Impfmuffel. Denn das impft uns Leah ein:

Play it again! And play it loud! If you want to reach the crowd!

REIZÜBERFLUTUNG

Tolgahan Maydan ist auch kein Jungsemester mehr. Will sagen, er kennt die Zeiten, in denen das Studium noch face-to-face stattfand. Und zwar ohne Maske – dem Interface, das die zwischenmenschliche Mimik kaschiert und uns die Zwiesprache ruiniert.

Aber es ist nicht das Virus, das ihn in Wahrheit beschäftigt. Viel länger schon stört ihn eine andere Ansteckungsgefahr. Es sind die Bedrohungen der sozialen Medien, die ihm nahegehen. Und die ihm viel zu nahe kommen.

Zeitgeist: Digital Rhapsody

Irgendwann im Laufe des Kurses ist Tolgahan es satt. Und aus seinem Leid entsteht ein Lied. Er schreibt sich seinen Frust von der Seele. Der Rap ist sein Rhythmus. So kommt er in Takt. So findet er seinen Ton. Und trifft damit den Nerv der Zeit.

Das zeigen die Reaktionen auf sein Coming-out als Singer-Songwriter. Die erste Vorstellung findet als Live-Schalte über die blechernen Lautsprecher der Computer in unserem Online-Seminar statt. Da capo!

Schnell wird klar: Da geht noch mehr! So stellt sich Abdul Cakar, der den Kurs als feinfühliger Typograf, musikalischer Muezzin und praktizierender Imam begleitet, spontan als kongenialer Coach zur Verfügung. Und er stellt eine Verbindung zu einem professionellen Tonstudio her. 

Live-Act: Coming-out loud

Die erste Fassung eines Films zum Song entsteht unmittelbar nach der Aufnahme. Berauscht fährt Tolgahan in die Nacht. Und er träumt von seiner Karriere in der wirklichen Welt. Mit echten Platten aus Vinyl. Und richtigen Fans aus Fleisch und Blut.

Tolgahans Beispiel zeigt: Man darf sich nicht unterkriegen lassen. Trotz Krise hat er sich mit seinem Song wie Münchhausen an seinem Zopf aus einem seelischen Sumpf gezogen. Er hat sein Stimmungstief besiegt. Und viele mitgerissen. Auch seinen großen Auftritt wird er sicher noch bekommen.

DANKESCHÖN

Herzlichen Dank an Lars Maschmeyer und sein Team. Dankeschön auch an Diplom-Designer Abdul Cakar aka Splitted Moon und unseren Tutor, Stefan Völker B.A., sowie an alle Studierenden für viele weitere kreative Beiträge, deren state of the art zum Teil noch work in progress ist. Dem einen oder anderen Entwurf werden wir aber womöglich auch noch irgendwann begegnen: hier im Sonepar InnovationLab … und in der neuen Normalität. 

Professor Wilfried Korfmacher, Diplom-Designer Diplom-Psychologe

Abdul Cakar, Diplom-Designer, Muezzin, Imam

Stefan Völker, B.A. Kommunikationsdesign

Sara Ahmad

Melina Artopoulou

Caroline Dientenbeck

Leah Fosbenner

Luisa Jensky

Tolgahan Maydan


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