Medizinrobotik – Künstliche Intelligenz im OP-Saal oder doch alles nur Technik?

Roboter sind aus unserer heutigen Gesellschaft kaum noch wegzudenken. Egal ob als Teilsystem in Form des autonomen Fahrens, als Fensterputzhilfe oder als Staubsaugerroboter in Gestalt eines halbrunden Fußbodenraumschiffs, die Robotik hat Platz in vielen alltäglichen sowie lebenswichtigen Bereichen gefunden. Dass Roboter als Teilsysteme und wahre Assistenzgerätschaften in medizinischen Notfällen fungieren, ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität. Medizinrobotik nennt sich das Anwendungsgebiet, in dem ein besonderer Kontakt zwischen Mensch und Maschine hergestellt wird und in dem Roboter als OP-Helfer in unzähligen Kliniken dienen.

Dabei findet die Medizinrobotik in unterschiedlichen Feldern ihre Anwendung und wird bereits für verschiedene Untersuchungen, Operationen und die Rehabilitation eingesetzt. Sinn und Zweck ist dabei einen Vorteil für das Leben von Patienten und die Arbeit von Ärzten zu schaffen. Als Assistenzroboter bieten sie Ärzten einen enormen technischen Fortschritt und ermöglichen das Umsetzen neuer medizinischer Methoden. Egal ob als DaVinci für Prostataentfernungen, als RoboDoc in Form eines selbst fräsenden Hüftroboters oder als Preceyes in Gestalt eines Mikroroboters für Augenoperationen, die medizinischen Helfer erlauben insbesondere in der Chirurgie hochspezialisierte Eingriffe in komplexe Mikrostrukturen.

 

Herr Doktor, bitte einmal in den OP

In den letzten 20 Jahren hat sich die Medizinrobotik zu einem äußerst bedeutenden dynamischen und interdisziplinärem Feld der modernen Robotik entwickelt, wodurch der Medizinroboter heute zu einem der hochwertigsten Entwicklungen im Segment der Serviceroboter zählt. Inzwischen gibt es medizinische Gerätschaften für fast jeden medizinischen Eingriff und nur wenige Operationen werden heute noch „per Hand“ durchgeführt. Was passiert aber, wenn Medizinroboter wesentlich unterstützende Hilfe leisten und sich die Frage nach dem technischem Versagen der medizinischen Technikhelfer aufdrängt?

Das erste und hier ebenso wichtigste Robotergesetz von Isaac Asimov lautet: Ein Roboter darf einem menschlichen Wesen keinen Schaden zufügen oder ihn verletzen. Dabei sind die Machtverhältnisse im Operationssaal eindeutig: Der Chirurg hat die Kontrolle und ist Operateur. Er bedient den Roboter. Der Medizinroboter ist lediglich sein assistierendes System, eine Art künstliche Verlängerung seines Armes. Wesentliches Argument liegt in dem Ausweichen ohne Robotik, denn der Arzt muss auch jederzeit bei Versagen der Robotik in der Lage sein, eine lebensnotwendige OP allein durchzuführen. Bei mikroskopischen oder laparoskopischen Operationen gleichen Roboter lediglich menschliche Schwächen aus und können somit zu einem besseren Erfolg eines Eingriffs beisteuern.

Den Medizinrobotern fehlt jedoch ein wesentliches Merkmal: Die Intelligenz, denn der Chirurg an der Konsole gibt nach wie vor den Befehl zu einer Handlung. Daher spricht man in der chirurgischen Medizinrobotik auch weniger von einem Roboter und vielmehr von einem Telemanipulator, jedoch nicht von einem intelligenten Operationssystem als eine Art künstliche Intelligenz. Die Medizin unterscheidet hier ganz strikt zwischen automatisierten und roboterassistierten Systemen. Die Medizinrobotik steckt also noch ganz in der Assistenzphase und grenzt dabei oft ungeschuldet am Thema der Ethik, denn es geht hier nicht darum, den Chirurgen zu ersetzen, sondern vorerst um die Verzahnung von Personal und Technik.

 

Die medizinische Zukunft

In Zukunft sollen vermehrt auch Chirurgieroboter mit haptischem Feedback denkbar sein, welche den Arzt als Operateur in seiner Feinmotorik sowie bei seinem Fingerspitzengefühl unterstützt. Auch für das Pflegesegment wird die Medizinrobotik zukünftig ein Thema sein. Ebenso interessant erscheint die virtuelle Arm-Therapie VITA, die mittels VR-Brille, einer Armmanschette mit EMG-Sensoren, einem Controller und zwei Bewegungssensoren Menschen nach einer Amputation im Prozess mit einer Prothese innerhalb der Rehabilitation helfen soll. Auch neuartige Operationsroboter, wie das Miro-System hingegen sollen künftig dem Chirurg vor dem Stereodisplay erlauben, über eine Konsole und haptische Eingabegeräte den Roboter fernzusteuern und die gemessenen Kräfte, welche die Instrumente auf die Organe ausüben, gleichzeitig zu spüren. Selbst die Navigation des Joysticks der Konsole soll in naher Zukunft über Gestensteuerung erfolgen, sodass der Chirurg über luftige Handbewegungen Bilder am Monitor – ganz im Sinne der Sterilität – wechseln kann.


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